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ToggleWarum manche Menschen irritiert sind, wenn Trauerbegleiter oder Bestatter ihre Arbeit gerne machen
„Wie kannst Du jeden Tag mit Tod und Trauer arbeiten?“
„Das könnte ich niemals.“
„Ist das nicht furchtbar belastend?“
Und manchmal kommt sogar die Frage:
„Findest Du das wirklich schön?“
Diese Fragen begegnen mir immer wieder. Dahinter steckt meist ehrliches Erstaunen. Denn viele Menschen verbinden Tod ausschließlich mit Schmerz, Leid und Verzweiflung. Deshalb erscheint es ihnen fast widersprüchlich, wenn jemand sagt:
„Ich liebe meinen Beruf als Trauerbegleiterin.“
Dabei bedeutet das keineswegs, dass ich den Tod liebe.
Ich liebe die Menschen.
Ich liebe die Begegnungen.
Ich liebe die Hoffnung, die selbst in den dunkelsten Stunden wieder sichtbar werden kann.
Und ich liebe es, Menschen dabei zu begleiten, einen Weg durch ihre schwerste Lebenskrise zu finden.
Wir verwechseln oft das Thema mit der Aufgabe
Niemand würde sich wundern, wenn eine Onkologin ihren Beruf liebt.
Oder ein Intensivpfleger.
Oder eine Kinderärztin.
Oder eine Feuerwehrfrau.
Alle arbeiten täglich mit Leid, Krankheit oder Krisen.
Warum sollte es also ausgerechnet bei Trauerbegleitern oder Bestattern anders sein?
Der Unterschied liegt häufig darin, dass viele Menschen den Tod immer noch meiden. Er macht Angst. Deshalb wird unbewusst auch jeder gemieden, der beruflich mit ihm zu tun hat.
Dabei arbeiten wir nicht für den Tod. Wir arbeiten für das Leben.
Trauerbegleitung ist gelebte Menschlichkeit
In meiner Arbeit geht es nicht in erster Linie um den Tod.
Es geht um Liebe.
Denn Trauer entsteht nur dort, wo vorher Liebe war.
Jeder Mensch, der trauert, erzählt gleichzeitig die Geschichte einer Beziehung.
Und genau dort beginnt meine Arbeit.
Ich höre zu.
Ich halte aus.
Ich gebe Orientierung.
Ich schenke Zeit.
Ich helfe, Worte zu finden, wenn Sprachlosigkeit herrscht.
Ich begleite Menschen dabei, ihren eigenen Weg durch die Trauer zu entdecken.
Ist das traurig?
Ja.
Ist es schwer?
Manchmal.
Ist es unglaublich erfüllend?
Absolut.
Wie das konkret aussieht, beschreibe ich auf meiner Seite zur praktischen Trauerbegleitung.
Menschen brauchen Begleiter, die ihre Arbeit gerne machen
Stell Dir vor, Du gehst zu einem Arzt, der seinen Beruf nicht mag. Oder zu einer Lehrerin, die keine Freude am Unterrichten hat. Oder zu einem Handwerker, der keine Lust auf seine Arbeit hat.
Du würdest es spüren.
Genauso ist es in der Trauerbegleitung. Trauernde befinden sich häufig in einer der verletzlichsten Phasen ihres Lebens. Sie brauchen Menschen, die ihnen mit echter Aufmerksamkeit begegnen. Die nicht auf die Uhr schauen. Die zuhören möchten. Die Mitgefühl empfinden. Die Hoffnung ausstrahlen.
Das gelingt nur, wenn dieser Beruf mehr ist als ein Arbeitsplatz. Er sollte eine Berufung sein.
Freude bedeutet nicht Respektlosigkeit
Manche glauben, Freude im Beruf und Trauer würden sich gegenseitig ausschließen. Das Gegenteil ist der Fall. Gerade weil ich meine Arbeit liebe, kann ich Menschen mit ganzer Kraft begleiten. Ich freue mich nicht über den Verlust eines Menschen. Ich freue mich darüber, wenn ein trauernder Mensch nach Monaten zum ersten Mal wieder lächelt.
Wenn Schuldgefühle leichter werden. Wenn Versöhnung gelingt. Wenn Erinnerungen nicht mehr nur Tränen, sondern auch Dankbarkeit hervorrufen. Wenn jemand wieder Mut findet, sein eigenes Leben weiterzuleben.
Diese Momente sind kostbar. Sie erinnern mich jeden Tag daran, warum ich diesen Beruf gewählt habe.
Auch Bestatter leisten viel mehr als Organisation
Viele Menschen sehen beim Bestatter nur Sarg, Urne oder Formalitäten. Doch gute Bestatter leisten so viel mehr. Sie schenken Orientierung, wenn Familien völlig überfordert sind. Sie schaffen einen würdevollen Abschied. Sie nehmen Angehörigen organisatorische Lasten ab. Sie begleiten oft mit einer Ruhe und Menschlichkeit, die in dieser Ausnahmesituation unbezahlbar ist.
Auch hier gilt:
Wer seinen Beruf liebt, wird den Menschen anders begegnen. Nicht perfekter. Aber herzlicher. Für alle, die beruflich mit Trauernden zu tun haben und ihre Begleitkompetenz vertiefen möchten, gibt es die Fortbildung Trauerbegleitung.
Die Liebe zum Beruf schützt nicht vor Belastung
Natürlich berühren mich Schicksale. Natürlich nehme ich manche Geschichten mit nach Hause. Natürlich gibt es Tage, an denen ich traurig bin.Doch genau deshalb brauche auch ich gute Selbstfürsorge.
Natur.
Gespräche.
Stille.
Gebet.
Musik.
Dankbarkeit.
Und Menschen, die auch mich tragen.
Die Freude am Beruf bedeutet also nicht, dass mich nichts belastet. Sie gibt mir vielmehr die Kraft, Belastungen sinnvoll zu verarbeiten.
Eine Berufung verändert alles
Mein persönlicher Gedanke
Ich glaube, jeder Mensch spürt den Unterschied zwischen einem Beruf und einer Berufung. Eine Berufung entsteht dort, wo Fachwissen auf Mitgefühl trifft. Wo Erfahrung auf Demut trifft. Wo Kompetenz und Herz gemeinsam arbeiten. Genau deshalb wünsche ich jedem Menschen, dass er einen Beruf findet, den er mit Überzeugung ausüben kann.
Denn wer seine Arbeit liebt, schenkt anderen oft weit mehr als eine Dienstleistung. Er schenkt Haltung. Zeit. Aufmerksamkeit. Vertrauen. Und manchmal sogar Hoffnung.
Wer diesen Weg gehen möchte, findet in der Ausbildung zur Trauerbegleiterin das fachliche Fundament dazu.
Wenn mich heute jemand fragt, ob ich meinen Beruf liebe, dann antworte ich aus tiefstem Herzen:
Ja.
Nicht weil Menschen sterben. Sondern weil Menschen auch in ihrer tiefsten Trauer Würde, Hoffnung und liebevolle Begleitung verdienen. Und genau dafür stehe ich jeden Tag auf.
Von Herzen
Gundula Engels





